Ich verstehe total, dass viele von nicht ausgereiften Assistenten genervt sind. Ein Problem liegt darin, dass Systeme, welche die Anforderungen erfüllen, sich nicht unbedingt nahtlos in den Alltag integrieren. Hier muss die Entwicklung Stück für Stück für die Reife sorgen.
Leider ist das Konzept, dass man kein ESP braucht, keine Assistenten und weniger Beschränkungen durchaus schon mal da gewesen. Es nannte sich 70er und 80er Jahre und hat uns ein Vielfaches an Verkehrstoten beschert. 1973: knapp 22.000 Tote, heute (um Corona bereinigt) sind es „nur“ noch um die 3000. Immer noch zu viele.
Die ganzen zusätzlichen Systeme ergeben absolut Sinn, sind nur eben nicht immer schön umgesetzt.
Menschen sind abgelenkt, sind müde, überschätzen sich. Die Unfälle kommen nicht von ungefähr.
Mir ist vor wenigen Tagen erst jemand an einer Ampel aufgefahren. An der stand ich schon bestimmt eine halbe Minute. Man möchte meinen, derjenige hätte ja nur gucken müssen und bremsen, wie an jeder Ampel. Hat er aber nicht. Wäre da gerade die Oma mit ihrem Rollator über die Ampel gegangen, wäre das schnell wieder ein Fall für die Statistik gewesen.
Der Mensch am Steuer ist leider das größte Risiko. Wie bei so vielem. Totwinkelassistent? Theoretisch total unnötig, wenn man einen Schulterblick macht. Tausende Radfahrer können einem bestätigen, dass das nicht passiert.
Da kann der einzelne, gewissenhafte Fahrer nichts für, aber überwiegt in dem Fall das Überleben der anderen Verkehrsteilnehmer den Befindlichkeiten und dem Geldbeutel des achtsamen Fahrers.
Das Mehrgewicht der Assistenten ist übrigens vernachlässigbar. Hier geht deutlich mehr für Crashstrukturen und Komfortfeatures drauf.
Bezüglich der Überwachung kann ich beruhigen: Features zur Überwachung des Fahrers werden im Fahrzeug ausgewertet und nicht geteilt. Die Menschen, die sowas entwickeln, sind nichts anders als wir. Die wollen auch nicht die Weltherrschaft an sich reißen. Die möchten nur, dass ihre Lieben nicht auf dem Nachhauseweg von irgendeinem Smombie, Narkoleptiker o.Ä. abgeräumt werden.
Dazu muss ich leider auch sagen, dass weit über die Hälfte aller Beschwerden, dass „irgendwas piept“ daher kamen, dass nicht die Spur gehalten wurde, der Mindestabstand radikal unterschritten wurde, der tote Winkel missachtet wurde oder die Reifen knapp über Umgebungsdruck liegen. Meisten gefolgt von „ich hab das ja im Griff“. Klar, mein Freund. Für dich macht die Physik ne Ausnahme, weil du ein ganz toller Hecht bist.
In diesem Sinne: überlegt euch, wie leer die Innenstädte wären, wenn man alle Warnhinweise abbauen würde und fragt euch, ob ihr diesen Leuten ungezügelte 1,5 Tonnen mit über 100kW anvertrauen wollt. Da liegt das eine Problem.
Und dann noch das andere Problem: wie sind alles nur Menschen und wir machen unglaublich viele Fehler. Unbewusst, aber dennoch.