Zwar wohne ich mittlerweile in Österreich, aber ich war vorher immer sehr viel auf deutschen Autobahnen unterwegs. Durchschnittsgeschwindigkeiten, wie die von dir genannten sind meiner Erfahrung nach möglich, aber als Regelfall kann ich das kaum stehen lassen. Dafür muss die Bahn schon ziemlich frei sein. In dem Fall schafft man aber auch problemlos längere Etappen mit konstant 130. Wieso sollte der Schnitt dabei auf 100 fallen? Damit ein Schnitt von 100 km/h rauskommt, müsstest du ebenso lange 70 fahren, wie 130. Oder dreimal so lange 90, wie 130. Warum sollte man das tun, wenn die Straße relativ frei ist?
Nein, bei ruhiger Verkehrslage und einem selbst gewählten Limit von 130 schaffst du einen Schnitt, der nicht so weit unter 130 liegt. Somit beträgt der Zeitverlust ggü einem Durchschnitt von 150 - um bei deinem Beispiel "München - Nordhessen" zu bleiben - eher eine halbe Stunde. Fährst du dann noch bis nach Hamburg, wird der Zeitverlust im Verhältnis sogar noch geringer, weil du dir wahrscheinlich einen Tankstopp sparst. Der Verbrauchsvorteil von konstant 130 ggü volles Rohr ist nämlich eklatant!
Und paradoxer Weise kann die Durchschnittsgeschwindigkeit mit einem sinnvoll geregelten Tempolimit sogar höher sein, als bei freier Fahrt. Der Verkehr fließt dann nämlich gleichmäßiger. Gerade die großen Geschwindigkeitsschwankungen bei lebhaftem Verkehrsaufkommen und fehlendem Tempolimit produzieren den sogenannten Ziehharmonika-Effekt, der zu Verkehrsstockungen und Staus führen kann, weil der Hintermann meist einen Tick stärker abbremst, als eigentlich nötig gewesen wäre.
Tut mir leid, aber das klingt für mich nicht ausgewogen.
"... bei ruhiger Verkehrslage und einem selbst gewählten Limit von 130 schaffst du einen Schnitt, der nicht so weit unter 130 liegt."
Das hieße, ich bin auf dieser Strecke nur durch meine eigene Maximalgeschwindigkeit limitiert. Das trifft in Realität so gut wie nie zu, aber wenn ich dieser Annahme schon folge, würde das auch bedeuten, dass ich bei "freier Fahrt" auch einen schnitt von >200 schaffen würde. So einen Schnitt würdest man wohl zu recht anzweifeln.
Bei weiten Strecken 200+ plus fällt mein Schnitt real auf 150, maximal 160. Bei weiten Strecken 130 fällt mein Schnitt real eben auch.
Ich habe absichtlich versucht, es an realen Beispielen fest zu machen, damit es weniger theoretisch wird.
Mir ist schon klar, dass ich bei konstant 130 km/h auch einen Schnitt von 130 km/h hätte. In Realität gibt es auf den von mir gefahrenen Autobahnen aber zahlreiche Baustellen, die auf 80 km/h begrenzt sind. Außerdem geht in den Streckenschnitt ja nicht nur die Autobahn ein, sondern auch der Weg vom Startpunkt auf die Autobahn und von der Autobahn zum eigentlichen Ziel. Ich brauch schon mal einige Zeit durch die Stadt in München, bis ich auf der Bahn bin mit Durchschnitt in der Stadt 25 km/h (Ampeln). Diese Streckenabschnitt reduzieren den realen Schnitt, egal ob VMax beschränkt oder (teilweise) unbeschränkt.
Wenn ich also zurück auf mein Beispiel komme: selbst wenn ich weite Teile der Strecke mit über 200 km/h fahre, fällt durch Baustellen, Landstrassen- und Stadtanteile der Schnitt auf 150 km/h.
Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h, auch über weite Teile der Strecke, fällt mein Schnitt ebenso deutlich ab. Ich habe auch hier reale Erfahrungen aus der Zeit, als ich mit meinem privaten Wagen 140 km/h Tempomat nur selten Überschritten habe. Bei diesem Fahrprofil kam ich selten auf über 100 km/h im Schnitt.
Bei meinem Beitrag ging es mir nicht darum ein generelles Tempolimit zu verteufeln. Ich wollte lediglich aus meiner Sicht darlegen, dass unbeschränkte Abschnitte durchaus einen zeitlichen Unterschied machen können, ganz ohne schön oder schlecht rechnen, sondern real erfahren.
Der von dir angesprochene Ziehharmonika-Effekt stelle ich damit gar nicht in Zweifel. Bei wirklich voller Autobahn hindert es den Verkehrsfluss eher, wenn jemand immer wieder kurze "Sprints" macht.
Unabhängig davon gebe zu, dass ich auch einfach mal gerne schnell fahre